Sonntag, 13. November 2011

Sushi, Kakapo und Bobbycar


So, zum Ende meines ersten Neuseeland-Aufenthalts hin, gibt es auch noch mal einen Blog-Eintrag von mir. Klingt komisch, ist aber so. Grund dafür ist die rein praktische Überlegung, dass Thetes 2. Eintrag über die Port Underwood Road doch recht „durchgekaut“ sein und ich ja mit frischen Eindrücken einen Artikel schreiben könnte. Wohl an!
Es ging also morgens in Blenheim los. Fluchtartig verließen wir das Hostel: Die Frau von Bruce Lee (ohne Witz! Der Kerl, dem das Hostel gehörte, hieß tatsächlich so!) fing Thete nach dem Frühstück ab, drückte ihr mit einem sehr koreanisch angehauchten „I made Sushi“ eine in Alufolie eingewickelte Rolle noch warmen Sushis in die Hand und verfolgte uns dann bis zum Auto. Wir wollten eigentlich noch in Ruhe packen, aber nix da… Also nur schnell die Sachen reingeworfen und ab dafür – prompt hatten wir Thetes Schuhe, die unterm Auto gestanden hatten, vergessen und musste nochmal anhalten und die holen. Viel Gelächter seitens von Bruce Lee’s Frau und dann noch ein „God bless you“ mit auf den Weg, inklusive Händeschütteln durchs Autofenster. Puh! Weg da!
Nach einem kurzen Treffen mit einem von Thetes Mitstreitern in der Bibliothek, dann auch bald Richtung besagter Straße. Zunächst musste entschieden werden, ob sie von Norden oder von Süden aus befahren werden sollte. Da das Wetter alles andere als sighseeing-tauglich war, entschieden wir uns, von Norden aus Picton zu beginnen und uns dann an der Küste nach Süden zurück in Richtung Blenheim vorzuarbeiten. Gesagt, getan. Der Regen wurde etwas weniger, die Wolkendecke hob sich etwas von den umliegenden Hügeln und Bergen ab. 
Wir kamen durch Picton und der Anfang der Straße ist zwar kurvig, aber unspektakulär - nach dem, was wir schon an Pisten gefahren sind. Dann enden allerdings die Straßenmarkierungen. Alle. Und die Breite der Straße reduziert sich auf etwa 40-60% der vorherigen – weiterhin mit 2 (theoretischen) Fahrspuren, versteht sich. Thetes spontaner Kommentar: „Hallo, Ende der Zivilisation!“ Zugegeben, uns kamen nicht viele Autos entgegen. Aber immerhin gab es noch Briefkästen und ab und zu eine SEHR steile Rampe, die zu Häusern geführt haben müsste. Ein paar Kilometer weiter wurde es noch besser: „Hallo, Schotter!“ Der Straßenbelag änderte sich von schlechtem Asphalt zu schlechtem Schotter, wobei in manchen Kurven der nackte, nasse Sand zum Vorschein kam, was die Bodenhaftung von Auto Waka Thete nicht sonderlich förderte. An einigen Stellen wurde die Straße so kurvig, steil und schmal, dass man a) mehr Straße aus dem linken Seitenfenster sehen konnte als vorne, b) eigentlich nur 5 Meter Straße überhaupt sehen konnte, weils so plötzlich so steil nach oben ging und c) „Na, hier ist dann Platz für mein Auto und ein Bobbycar!“
Soviel zu den Straßenverhältnissen. Daneben gab es auch viel zu sehen – und manchmal auch nix. Die Bilder, die wir gemacht haben, bestehen leider zu großem Teil aus weißem Licht – die Wolken lagen auf, so dass die spektakulären Aussichten, die Thete noch auf der letzten Tour beschrieben und gepostet hatte, uns dieses Mal versagt blieben. Aber eine sehr urige Stimmung war da Ausgleich genug. Wir machten ab und an Halt in einigen Buchten und an einigen Aussichtspunkten, wurden aber vom nasskalten Nieselregenwetter recht schnell wieder in die Wärme des Wakas zurückgetrieben. Kurz nach der Kakapo-Bay (kein Scherz!) fingen wir uns wieder einen Stein am linken Vorderrad ein, das Geräusch war dieses mal etwas länger zu hören, dafür aber auch deutlich leiser. Zum Glück wussten wir diesmal, was es höchstwahrscheinlich sein würde und haben es erfolgreich ausgesessen. 
Oh, eins noch, bevor wir uns gedanklich sowie schriftlich von der Port Underwood Road verabschieden (apropos: Versucht mal, das häufig und schnell hintereinander auszusprechen… ;)). Es gab ab und an nämlich doch Gegenverkehr: Thete und ich waren grad dabei, verschiedene Kinderlieder umzudichten und zu verschönern, Thete schmetterte gerade eine Version von „Hey, Pippi Langstrumpf“, als uns ein Jeep entgegenkam und das „Heia-hopsasa“ des Liedes zum Ausweichen genutzt wurde. Schade, dass ich in dem Moment kein Video gemacht habe… 
Nun gut, weiter im Text. Es ging weiter Richtung Süden, immer am Meer entlang: Wellen, Brecher und so weiter immer links, rechts grüne Hügel, ab und an ein Wäldchen und eine ziemlich gerade Straße, zur Abwechslung. Eigentlich recht unaufregend, wenn nicht ab und an skurrile Dinge passieren: Das man ein Schaf am Strick vor sich herführt auf offener Straße, passiert auch in der Koogsreihe mal, dass aber das hinterste Glied der Karawane ein voll ausgewachsenes Schwein ist, das wiederum NICHT angebunden ist, wundert dann doch. Als wir anhielten, um die Wellen zu bestaunen, die an einer besonders schönen Stelle spektakulär gegen die Felsen schlugen, staunten wir nicht schlecht, als wir direkt an einer Seehundkolonie gehalten hatten: mehrere der Tiere räkelten sich direkt vor unserer Nase (ca 5m entfernt) in der Gischt und dem kühlen Südwind. Danach entdeckten wir auf fast der ganzen restlichen Strecke nach Kaikoura immer wieder Seehunde sehr dicht an der Straße.
In Kaikoura angekommen bezogen wir unser Quartier und gingen noch einen Happen essen in der Stadt. Gelandet sind wir in einer urigen, sehr gut gefüllten Bar, wo wir an der Theke das Essen bestellten (lecker Steak) und uns dann an einen der halb-besetzten, barhocker-bestuhlten Hochtische setzten. Danach gabs noch ein Eis und dann gings bald in die Falle.
Heute war ein eher praktischer Tag, ausschlafen, Wäsche waschen, bisschen einkaufen, Thete hatte noch etwas Papierkram zu erledigen und so blieb auch viel Zeit zum entspannen. Morgen wird’s dann wieder aufregend: Schwimmen mit Delfinen! Seid gespannt… :)

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